„Ursprünglich wollte ich nur die Welt seh’n...”

Leseprobe 2


Die hervorragende Führungs- und Mannschaftsleistung von U-159 wurde also auch ganz oben registriert?

Sie brauchen nur die Schlussworte zu lesen, die Dönitz unter unser Kriegstagebuch gesetzt hat. Das sind die denkbar größten Superlative.

Beurteilung Helmut Witte

Auszug aus dem Kriegstagebuch U-159: Beurteilung Helmut Witte (27) durch den BdU Karl Dönitz

Unter- und Überordnung ergab sich an Bord Ihres Bootes im Grunde ja schon durch die Befehlskette. Aber Sie mussten doch auch darauf achten, dass sich innerhalb der Mannschaft nicht irgendwelche Cliquen bildeten, die den Zusammenhalt der Mannschaft in Frage stellten?

Im Großen und Ganzen war das kein Problem. Ich denke dabei auch an meinen treuen Bemberg, der zwar vom Körperwuchs her klein, aber ein vorzüglich tüchtiger Mann war, wie er mir später einmal sagte: „Natürlich haben wir unter uns lauter kleine Händel ausgetragen. Aber das ging den Kommandanten nichts an. Das war unsere Sache”. Meine Mannschaft war im Grunde tief traurig, als ich im Sommer 1943 aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste und sie eine neue Spitze bekam (Anm.: am 07.06.1943 übernimmt OLt. z. See Heinz Beckmann das Kommando von U-159). Bemberg sagte mir zum Abschied: „Wir als Besatzung – und da kann ich für alle sprechen – wären für Sie durchs Feuer gegangen!”

Gästebuch

Auszug aus dem Gästebuch U-159: Beckmanns Eintrag nach der Übernahme des Kommandos von U-159 (Siehe auch Seite 168)

Bemberg war sonst ein sehr wortkarger Mann. Nach dem Krieg stellte er einen bestimmten Sauna-Typ her, und ich sagte oft zu ihm: „Sie müssen mit Ihren Saunen viel mehr Reklame machen. Sie bauen einfach die besten Saunen Deutschlands! Das wissen viel zu wenig Leute!“ Er brachte stets tüchtige Leistung, aber sagte wenig.

Wie war das eigentlich mit diesen berühmten U-Boot-Bärten – konnte sich jeder so einen Bart wachsen lassen, wie er lustig war?

Mich nannten meine Leute, als sie meinen Vollbart sahen „Reserve-Christus von Oberammergau”. Ich hatte einmal einen Oberlippenbart, so ein kleines Bärtchen, das mein Gesicht völlig veränderte, und einen Spitzbart, von dem meine Frau sagte: „Du siehst aus wie ein Sittlichkeitsverbrecher.“ Das habe ich alles ausprobiert. Denn wann bekam man wieder Gelegenheit dazu?! Am schönsten war es immer, wenn uns die hübschen französischen Friseurinnen unsere Bärte wieder abnahmen. Man fühlte dann plötzlich ganz weiche Haut ...